Ritter André besiegt die Drachen

Einst lebten im Lande des Ritters André vier Ungeheuer, der Drache Horriffer und seine Frau Greulhilde sowie sein Schwager Schreckomir mit Frau Rauhka.

Die Drachen lebten in den Bergen und sie waren glücklich und zufrieden. Sie erzählten sich von alten Zeiten, als es noch keine Menschen gegeben hatte, machmal hörte man sie lachen und des Nachts schnarchten sie, dass die Berge zitterten, aber niemals hatten sie einem Menschen etwas zuleide getan.

Eines Tages kam ein fremder Ritter namens Goldherz daher. Seine Rüstung war weiß von der Spitze des Helmes bis zu den Sohlen der Stiefel. Ebenso sein Pferd. Er hatte ein gutes Herz, denn er war als Drachentöter bekannt. Weil die Drachenmänner gerade nicht zu Hause waren, tötete er nur die beiden Drachenfrauen.

So waren denn Horriffer und Schreckomir alsbald Witwer geworden und sie wurden sehr böse. Sie zogen duch die Täler, sie verwüsteten die Dörfer und verbrannten die Felder. Und manch armer Bauer wurde ihr Opfer. Der Ritter Goldherz aber war von dannen gezogen.

So versammelten sich die Leute und berieten sich, bis sie sich entschlossen hatten, den Ritter André um Hilfe zu bitten. Was sie alsbald taten.

Der Ritter André schaute aus seiner Burg und sagte: "Ich habe nichts gegen die Drachen, denn sie haben mir nichts getan." Doch als die Leute jammerten und drohten, ihre Steuern nicht mehr zu zahlen, seufzte er und sagte: "Gut, ich will es versuchen." Da gingen die Leute nach Hause.

Ritter André setzte sich sogleich an seinen Schreibtisch und er schrieb den Drachen einen langen Brief: "An Horriffer und Schreckomir: Liebe Drachen! Weil die Leute über Euch klagen, will ich Euch bitten, in die Berge zurückzugehen und brav zu sein. etc.etc."

Als er mit dem Brief fertig war, schickte er seinen Stallburschen namens Treustall zu den Drachen. Treustall belud drei Pferde mit dem Brief, so lang war er geworden, und ging von dannen.

Wie die Drachen ihn kommen sahen, freuten sie sich und sie fraßen sogleich die drei Pferde und den Treustall auf. Den Brief aber legten sie, ohne ihn zu lesen, in ihre Höhle.

Als André Treustalls Todesschreie aus den Bergen hörte, wurde er sehr traurig. Er setzte sich sogleich an seinen Schreibtisch und schrieb einen langen Brief: "An Horriffer und Schreckomir: Liebe Drachen! Ich bin sehr traurig, dass ihr meinen treuen Stallburschen Treustall gefressen habt. etc. etc."

Nun schickte er den zweiten Stallburschen namens Dummstall. Dieser belud sieben Pferde, denn der Brief war sehr lang geworden, und er zog von dannen.

Wie die Drachen ihn kommen sahen, freuten sie sich, denn es war eine Woche vergangen und sie waren sehr hungrig geworden. Und sie fraßen die sieben Pferde und den Dummstall auf. Den Brief aber legten sie, ohne ihn zu lesen, in ihre Höhle.

Als Ritter André die Todesschreie seines Burschen Dummstall aus den Bergen schallen hörte, war er sehr traurig und er setzte sich und schrieb zugleich einen Brief.

Den gab er seinem letzten Stallburschen namens Faulstall. Dieser belud zwölf Pferde, denn der Brief war sehr lang geworden, und zog von dannen.

Doch Faulstall hatte schreckliche Angst. Deshalb verschenkte er die Pferde an zwölf arme Bauern, den Brief aber gab er in die Altpapiersammlung und er selbst versteckte sich im Wald.

Wie eine Woche vergangen war, sagte der Drache Schreckomir zu Horriffer: "Wo bleibt denn der Bursche mit den Pferden?" Worauf Horriffer sagte: "Für den Brief ist kein Platz mehr in unserer Höhle. Aber laß uns zur Burg gehen und schauen wo unser Essen bleibt."

Als der Ritter André die Drachen kommen sah, versteckte er sich im Keller und die bösen Drachen zerstörten seine Burg, bis kein Stein mehr auf dem anderen war.

Nachdem sie ihr Werk getan hatten, sagte der Drache Horriffer: "Laß uns nach Hause gehen, denn jetzt möchte ich doch wissen, was uns der Ritter in seinen Briefen geschrieben hat."

Als sie zu Hause ankamen, setzten sie sich in ihre Höhle und begannen zu lesen. Doch schon nach wenigen Worten fingen die beiden Ungeheuer so zu lachen an, dass ihnen das Feuer aus dem Maul fuhr und das Papier in Brand setzte und es brannte so heiß, dass nur ihre Knochen übrig blieben.

Inzwischen war Ritter André aus den Trümmern gekrochen und weil seine Burg zerstört war, verließ er sein Land.

Aber das ist schon eine andere Geschichte.