Das Metronom

Jeden Morgen nach Sonnenaufgang erhebe ich mich von meinem Lager, kleide mich an, esse etwas und eile dann zu einem Ort, wo gebrechliche Greise leben, deren Aufgabe ja deren Leben es ist, in geradezu unerhörtem Wortschwall alle Weisheiten des Lebens aufzusagen und im Raum zergehen zu lassen.

Ich setze mich dort nieder und sitze dort geduldig neben vielen anderen, es sind wohl endlos viele und immer wieder andere, und ich höre dort das Rauschen des Meeres, das sich so frisch und lebendig aus einem Munde ergießt als sei hier eine windgepeitscht dröhnende Küste, an die Wellen schlügen, wo die Luft nach dem Salz und dem Wasser des Meeres schmeckte.

Ab und zu meldet sich einer der endlos vielen und immer wieder anderen Zuhörer zu Wort, vom höflichen Greis gerne gewährt, um auf einen besonderen Aspekt der Sache hinzuweisen oder um eine gerade gehörte sehr lebendige Formulierung zu verbessern und noch lebhafter zu gestalten, obwohl das Meer doch schon vor meinen Füßen schäumt und ich mich gegen den kühlen, salzigen, mit Wassertropfen durchsetzten Wind stemme, um nicht den Halt zu verlieren an dieser felsigen, schroffen Küste.

Dieser Zuhörer zeigt vielleicht noch einmal besonders auf die Möwen hin, die dort drüben vor dem Felsabhang gegen den Wind segeln, oder er betont die außergewöhnliche Färbung des Wassers und die schnell sich verändernde Form der Wolken. Und seine Worte klingen so als stünde er hier neben mir im Sturm an dieser schroffen Küste und brüllte mir seine Eindrücke von diesem beispiellosen Naturschauspiel herüber.

Schon aber nimmt der Greis die Beschreibung wieder auf, nicht ohne vorher dem Zuhörer, dessen jugendliche Augen noch begeistert leuchten, einen wohlwollenden Blick zu schenken, und immer neue Wellen schlagen an die Felsen, um vor meinen Füßen aufzulaufen, und jetzt beginnt ein leiser Nieselregen aus den eben beschriebenen Wolken vom Wind getragen auf das Meer, die Felsen und auf mich einzufallen und nachdem ich mir schnell die Kapuze übergezogen habe, stecke ich die frierenden Hände noch tiefer und fester in die Taschen meines Regenmantels.

Doch plötzlich höre ich durch das Donnern hindurch die Stimme des Greises, die mich, vom vielen Reden heiser, nach meinen Eindrücken befragt. Aber was soll ich sagen, wo ich von diesem unerhörten Naturschauspiel derart beeindruckt und gefangen bin? So blicke ich hinüber zu den Felsen, wo die Möwen gegen den Wind segeln, als habe mich die Frage nie erreicht.