Segelmanöver beim Jollensegeln

Lossegeln

420er Zweimannjollen werden mit einem Bootswagen ins Wasser gelassen. Die anderen Jollen liegen am Steg. Zunächst überprüfen wir das Boot und machen es klar, indem wir die Fock und das Großsegel anschlagen. Dann paddeln wir auf den Stößensee und legen den Anker. Erst dann setzen wir die Segel. Vor Anker braucht keine Hektik aufzukommen.

Gewichtstrimm

Der Steuermann sitzt in der Regel auf der Luvseite (=Windseite). Der Rest der Besatzung sorgt für den Gewichtstrimm (=Gewichtsausgleich). Das Boot wird stets aufrecht oder möglichst wenig nach Lee (=vom Wind weg) geneigt gefahren.

Wenden und Halsen

Dreht das Boot mit dem Bug (=Spitze) durch den Wind, nennt man das "Wende", dreht es mit dem Heck (=Hintern) durch den Wind heißt das "Halse". Bei Starkwind ist die Wende das einfachere Manöver.

Wenden

Der Steuermann kündigt Wenden mit "Klar zur Wende!" an. Die Besatzung antwortet "Wende klar.", wenn sie bereit ist. Der Vorschoter löst die Vorschot (=Halteleine des Vorsegels) und hält sie fest. Mit dem Ausruf "Re" lenkt der Steuermann die Nase durch den Wind. Der Vorschoter lässt die Schot erst los, wenn die Fock zu flattern anfängt und nimmt die Schot der Gegenseite dicht und belegt sie.

Halsen

Mit "Klar zur Halse!" kündigt der Steuermann eine Halse an. Die Besatzung antwortet "Halse klar.", sobald sie bereit ist. Alle achten auf Ihre Köpfe, weil der Baum (=wagerechte Stange an der Unterkante des Segels) zur anderen Bootsseite hinüberschwingt. Mit dem Ausruf "Rund Achtern" lenkt der Steuermann das Heck durch den Wind. Bei starkem Wind nimmt der Steuermann das Großsegel zunächst mit der Schot dicht und lässt es auf der anderen Seite aus. Beim Fahren vor dem Wind sind Patenthalsen gefürchtet (= wenn das Segel unbeabsichtigt die Seite wechselt). Also fühlt ab und zu, ob Euer Kopf noch da ist. Wenn der Kopf schmerzt oder wenn ihr ihr gar nichts mehr merkt, ist es schon zu spät. In der christlichen Seefahrt, ist es außerdem üblich, die Mitsegler zu warnen. Verhindert wird die Patenthalse, indem man etwas höher am Wind fährt (vom Großsegel weg), damit der Wind nicht mehr gerade von Hinten kommt. Sobald das Großsegel einfällt und der Baum hochkommt, greift der Steuermann in die Großschot und schiftet das Großsegel per Hand zur anderen Seite. Bei starkem Wind holt man das Großsegel zunächst dicht und lässt es auf der anderen Seite wieder heraus. Bei sehr starkem Wind lässt man das Großsegel herunter und fährt vor dem Wind alleine mit der Fock.

Q-Wende

Um bei sehr starken Winden den Gefahren einer Halse zu entgehen, kann statt der Halse eine Q-Wende gefahren werden: Man luvt an, indem man vom Großsegel wegfährt, wendet und geht auf den neuen Kurs.

Verhalten bei schwachen und drehenden Winden

Im Stößensee sind schwache und drehende Winde häufig. Bei geringer Fahrt werden die Segel bauchiger gefahren, um die Abdrift zu vermindern. Dreht der Wind, so nutzt man bei schweren Booten die Trägheit aus und verändert den Kurs zunächst nicht. Bei leichteren Booten passt man sich sofort an die Windbedingungen an. Schlagen die Segel am Wind bei einem Windrichtungswechsel auf die andere Seite, so fährt man auf dem neuen Bug weiter und versucht nicht, auf den alten Bug abzufallen.

Sicheres Segel bei Starkwind

Das Schwert wird halb aufgeholt, der Traveller mittschiffs belegt, der Baumniederholer ist lose, das Großsegel wird flach eingestellt, die Crew sitzt hinten, Großschot und Fockschot werden aus der Hand gefahren und niemals belegt. Es wird mit den Schoten gearbeitet und so gefahren, dass das Ausreiten mit dem ganzen Körper möglichst nicht nötig wird, um immer etwas Reserve zu behalten. Ist die Krängung am Anwindkurs zu stark, lässt der Steuermann das Großsegel etwas heraus. Jollen mit geteiltem Segelplan lassen sich auch mit der Fock alleine Segeln und wenden. Notfalls lässt man das Großsegel fallen und fährt mit der Fock alleine weiter.

Kentern

Naja, das Kentern ist eigentlich kein Segelmanöver, ist aber bei Jollen nicht ganz auszuschließen. Um das Kentern zu verhindern, lenkt der Steuermann am Ende der Halse kurz zurück, um einen Teil der Wucht abzumildern. In anderen Fällen kann die Kenterung durch Gewichtstrimm, Lenkmanöver und notfalls durch Lösen der Segelschoten (Notbefehl: "Schoten los!") verhindert werden. Findet man sich dennoch im Wasser wieder, gilt es zunächst, auf sich selber und die Mitsegler zu achten und nötigenfalls zu helfen. Dann muss man sich am Boot festhalten. Die Schoten werden gelöst. Einer steigt auf das Schwert, um ein Durchkentern zu verhindern und um das Boot wieder aufzurichten. Man steigt von der der Luvseite ein öffnet die Lenzventile und fährt das Boot bei halbem Wind leer. Gelingt es nicht, das Boot aufzurichten, muss man gerade bei kühlen Wassertemperaturen bis 18°C unbedingt am Boot bleiben und Vorkehrungen treffen, dass man bei Ohnmacht nicht ertrinken kann. Ohne ohnmachtsichere Schwimmweste zu schwimmen, ist dann lebensgefährlich. Und eine Schwimmweste behindert beim Schwimmen stark.