Ich stehe wie ein Fels in der Brandung

Die Chefredakteure Frau Dr. Zimmer und Herr Bad
vom Spiegel interviewten Andreas Leo Faulstich

Spiegel: Herr Faulstich, sie nennen sich ALF. Wieso?

ALF: Wir werden mit einem Namen geboren oder erhalten ihn von unseren Eltern, ohne dass wir uns dagegen wehren können. Man hat mir den Namen Andreas Faulstich gegeben. Um Verwechslungen mit Namensvettern zu vermeiden und um zu den Initialen ALF zu kommen, habe ich später Leo als zweiten Vornamen hinzugefügt. ALF steht auch als Abkürzung für Alien Life Form. Und das besagt etwas über meine Interessen und mein Lebensgefühl.

Spiegel: Sie glauben also an außerirdische Intelligenzen.

ALF: Ich suche nach irdischer Intelligenz.

Spiegel: Über Ihr Privatleben ist wenig bekannt. Klickt man in Ihrer Website auf Sex, so erscheint eine schwarze Seite.

ALF: Das ist gut so.

Spiegel: Haben Sie Kinder?

ALF: Die Samenbank gibt darüber keine Auskunft.

Spiegel: Sie sind also überzeugter Anhänger der Samenspende.

ALF: Es ist der Versuch, ins Paradies zurückzukehren: Man gibt seine Geschlechtszellen an den Ozean und der Ozean kümmert sich um den Rest.

Spiegel: Sie glauben wohl nicht an eine harmonische Partnerschaft?

ALF: Im Krieg und in der Liebe ist jedes Mittel recht.

Spiegel: Auf Ihrer Website dokumentieren Sie Ihre unkonventionellen politischen Ansichten. Befürchten Sie nicht, dass Sie damit Ihrer Kunst schaden?

ALF: Wieso?

Spiegel: Einige könnten sich vor den Kopf gestoßen fühlen.

ALF: Ich bin ein freier Geist.

Spiegel: Als Philosoph glauben Sie aber nicht an Freiheit.

ALF: Als Mensch schon. Als Wissenschaftler nicht.

Spiegel: Man sagt Ihnen nach, Sie seien eine widersprüchliche und zerrissene Persönlichkeit. Was sagen Sie dazu?

ALF: Ich stehe wie ein Fels in der Brandung.

Spiegel: Sie profilieren sich gleichzeitig als Künstler, Wissenschaftler, Politiker und Unternehmer. Muss das nicht zwangsläufig scheitern?

ALF: Wahrscheinlich.

Spiegel: Das macht Ihnen nichts aus?

ALF: Nein.

Spiegel: Ihr großes Vorbild ist Sokrates. Was fasziniert Sie an ihm?

ALF: Wie er am Ende seines Lebens die Chance zur Unsterblichkeit ergreift.

Spiegel: Was meinen Sie damit?

ALF: Er trinkt den Schierlingsbecher.

Spiegel: Ist das nicht eher tragisch?

ALF: Es war das beste, was er tun konnte.

Spiegel: Er hätte auch fliehen können.

ALF: Das stimmt.

Spiegel: Herr Faulstich, wir danken Ihnen für das Gespräch.